Die Kartoffel in der industriellen Verwertung

Stärke:
26. Wie wird die Kartoffel zur "Schneeflocke" und zur "Glasflasche"?

Kunstschnee aus geschäumter Kartoffelstärke (s. Frage 25) erfreut jeden umweltbewussten Filmregisseur, der im Hochsommer frostige Winterszenen drehen muss. Bei Außenaufnahmen wirkt der rieselnde und glitzernde Kartoffelstärkeschnee, der in verschiedenen Flockengrößen lieferbar ist, täuschend echt. Ein Regenguss reicht aus, um den Kunstschnee rasch und umweltfreundlich "schmelzen" zu lassen, oder er lässt sich einfach zusammenfegen und auf dem Kompost entsorgen. Zudem verfügt er im Gegensatz zu dem häufig bei Dreharbeiten verwendeten Schnee aus Feuerlöschschaum über optimale physikalische Eigenschaften: bei Fahrspuren und Fußabdrücken lassen sich kaum Unterschiede zwischen Kartoffel- und Echtschnee erkennen. Mit ihm lassen sich sogar Schneebälle formen und Schneemänner bauen.

In Kriminal- und Wildwest-Filmen muss sich so mancher Schauspieler mit einer Glasflasche "erschlagen" lassen oder durch eine geschlossenes "Glasfenster" springen. Damit er sich dabei nicht verletzt oder gar zu Tode kommt, wird das "Filmglas" für derartige Zwecke aus Kartoffelglucose-Sirup (s. Frage 12) hergestellt. Dazu werden zwei Teile Rohrzucker (Saccharose) und ein Teil Kartoffelglucose-Sirup mit Wasser bei 150 bis 160 C so lange gerührt, bis die Zuckerkristalle "geschmolzen" sind. Danach wird der kochende Sirup etwas abgekühlt, mit Weinsteinsäure versetzt (30 Tropfen/kg), damit er geschmeidig bleibt, und anschließend auf eine geölte kalte Marmorplatte gegossen, wo er klar wird. Ähnlich wie in der Glasbläserei wird aus der geschmeidigen Masse mit Hilfe einer Schablonen-Hohlform und Pressluft die gewünschte Flasche geblasen. Auf einen Pappkarton geschlagen, zersplittert sie in tausend Stücke, während der Karton heil bleibt.



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